Anhand der folgenden Tonaufnahmen
von historischen ungleichstufigen Stimmungen sowie der aktuellen gleichstufigen
Stimmung kann man die Entwicklung sehr gut nachvollziehen. Die beiden
hier zuerst genannten Stimmungen waren noch keine wohltemperierten
Stimmungen. Erst die Stimmung von Andreas Werckmeister zählt
zu dieser Gruppe. Johann Sebastian Bach wurde von dieser Stimmung beeinflusst.
Die Gleichtemperierte Stimmung am Ende der Entwicklung ist ein Sonderfall
in der Gruppe der „wohltemperierten Stimmungen“. Zum einen
erfüllt sie die Bedingung, dass sie sich ebenso erfolgreich um einen
Kompromiss zu Gunsten des geschlossenen Quintenzirkels bemüht. Zum
anderen unterscheidet sie sich jedoch von den anderen Stimmungen durch
den Verzicht auf den unterschiedlichen Charakter der Tonarten.
Die folgenden Hörbeispiele habe ich mit einem Spinett erstellt. Falls Sie sich für Hörbeispiele von Klavierstimmungen interessieren, finden Sie hier Aufnahmen der aktuellen Gleichtemperierten Stimmung.
- Pythagoreische Stimmung (850 bis 1550): Die Stimmung
der reinen Quinten. Dies traf vor allem noch zu, als das Tonsystem
nur 7 Töne umfasste. Als das Tonsystem auf 12 Töne erweitert
wurde, ergab sich bei as-es eine so genannte „pythagoreische
Wolfs-Quinte“, die in der Aufnahme auch zu hören ist.
Die Bevorzugung der reinen Quinten geht zu Lasten der unreinen Terzen,
die jedoch zu dieser Zeit in der Musik keine große Rolle spielten.
- Mitteltönige Stimmung (1523 bis 1750): Da
sich die Hörgewohnheiten änderten musste eine neue Stimmung
her. Wurden die Terzen bislang als dissonant empfunden änderte
sich dies nun zu Lasten der Quarten. Bei der mitteltönigen Stimmung
kann man noch deutlicher hören, was eine so genannte „Wolfs-Quinte“ ist.
11 Quinten sind leicht vermindert und eine Quinte ist stark unrein.
Der „Wolf“ bei as-es springt einen aus der Reihe der
ansonsten ziemlich gleichmäßigen Quinten förmlich
an. Die Stimmung hat 8 reine Terzen. Die vier Tonarten mit den unreinen
Terzen (so genannte „Wolfs-Terzen“), die eigentlich verminderte
Quarten sind, waren so genannte „unbrauchbare Tonarten“,
die von den Komponisten nur selten eingesetzt worden sind. Dies macht
deutlich, warum Bach nach einer Verbesserung der Stimmung gesucht
hat.
- Werckmeister III (1691): Bei dieser Stimmung kann
man bereits den Fortschritt hören. Hier treten keine ganz großen
Fehler mehr auf und somit sind auch alle Tonarten zu verwenden. Die
stärkeren Schwankungen treten hier bei den Terzen auf, was sich
dann wieder auf die Dreiklänge auswirkt.
- Bach/Kellner: Herbert Anton Kellner hat sich diese
Stimmung erarbeitet und auch patentieren lassen. Es handelt sich
um eine der rekonstruierten Stimmungen, von denen man annehmen kann,
dass sie Bach zur Zeit der Entstehung des „Wohltemperierten
Klaviers“ verwendet hat.
- Gleichtemperierte oder Gleichschwebende
Stimmung (ab Ende 18. Jahrhundert): Die oben angeführten
historischen Stimmungen sind so genannte „ungleichstufige“ Stimmungen.
Die „Gleichtemperierte“ Stimmung ist eine „gleichstufige“ Stimmung.
Damit kann man in allen Tonarten identisch komponieren und musizieren.
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